Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

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Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon thomas4180 » 11. Jan 2018, 20:35

Hallo an alle Experten!

Ich bin mir sicher, viele von euch helfen nicht nur hier im Forum, sondern auch im realen Leben bei allen möglichen Office-Problemen.
Auch ich habe mir in meiner Firma mittlerweile den Ruf des Office-Experten (v.a. Excel) erworben, und auch schon firmenintern Schulungen gegeben. Auch meiner Frau (in einer anderen Firma) - und ihren Kollegen - helfe ich ab und an telefonisch; Zitat meiner Frau: "Da rufen wir schnell den Thomas an." 8-)
Deshalb spiele ich mit dem Gedanken, neben dem Beruf noch Schulungen anzubieten. Ich bin mir bewusst, dass ich da noch ein wenig Arbeit reinstecken muss, aber meine Fragen richten sich mehr an die gesetzlichen Vorgaben.

Was muss ich beachten, damit ich eine Rechnung über meine 2,50 DM Honorar ausstellen kann?
Muss ich ein "Gewerbe" anmelden?
Weitere Fragen werden sicher auftauchen...

Ich bin mir sicher, dass es den ein oder anderen Experten hier gibt, der "nebenher" sein Portemonnaie durch solche Tätigkeiten aufbessert und dies auf Grund der meinerseits unbekannten gesetzlichen Vorschriften irgendwie organisiert haben muss. Deshalb bin ich über Links und/oder Erklärungen dankbar.

Danke und Gruß Thomas.
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon maninweb » 12. Jan 2018, 09:52

Hallo,

meine Empfehlung wäre, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, Dich an Deinen Steuerberater zu wenden,
weil meines Erachtens ein Steuerberater "Deinen Fall" sicherlich gut ein- und abschätzen kann.

Gruß
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon mumpel » 12. Jan 2018, 10:38

Hallo!

M.E. würdest Du als Freiberufler gelten. Du müsstest dann kein Gewerbe anmelden. Das befreit Dich aber nicht von der Einkommenssteuerpflicht für Deine Einnahmen aus dem Freiberuf.

Die DM ist übrigens längst tot. Und wenn Du es mit 2,50 DM (etwa 1,40 Euro) ernst meinst lacht Dich jeder Steuerberater aus. Das deckt noch nicht einmal Deine Kosten. :wink:

Gruß, René
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon Der Steuerfuzzi » 12. Jan 2018, 10:40

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen: Frage (d)einen Steuerberater. Zusätzlich würde ich Dir empfehlen, Dich mit der Thematik zu beschäftigen. Je mehr Du weißt, desto einfacher/besser und desto weniger Fehler/Probleme.

Ein Anlaufpunkt ist: http://www.existenzgruender.de/DE/Home/inhalt.html
Dort gibt es viele Informationen (auch für Nebentätigkeiten).

Unter Anderem sind folgende Themen interessant:

-Muss ich ein Gewerbe bei der Gemeinde anmelden?
Das hängt davon ab, ob man ein Gewerbe betreibt oder eine freiberufliche Tätigkeit ausübt. Hier kannst Du Dich mal bei Deiner Gemeinde erkundigen, ob Du mit Deiner geplanten Tätigkeit ein Gewerbe anmelden musst. Ein Anhaltspunkt (aber nicht immer deckungsgleich) ist die steuerliche Einordnung der Einkünfte (Gewerbebetrieb oder selbständigeTätigkeit)

-Welche Steuern sind für mich relevant?
Siehe z. B. hier: http://www.existenzgruender.de/SharedDocs/Downloads/DE/GruenderZeiten/GruenderZeiten-09.pdf?__blob=publicationFile
und hier: http://www.existenzgruender.de/SharedDocs/Downloads/DE/GruenderZeiten/GruenderZeiten-17.pdf?__blob=publicationFile
Stichworte:
Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder selbständige Tätigkeit?
Umsatzsteuer - Trifft die Kleinunternehmerregelung auf mich zu und macht es ggf. Sinn auf diese zu verzichten?
Einkommensteuer - Muss ich Geld für die Steuer zurücklegen, damit ich es nicht vorher ausgebe? Wie muss ich meinen Gewinn ermittlen?

-Bin ich Pflichtmitglied bei der IHK?
Die IHK verlangt Pflichtbeiträge von allen Gewerbetreibenden (es gibt bei einigen IHKs für Nebengewerbe eine Befreiung)

usw. usw.
Gruß
Michael
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon Der Steuerfuzzi » 12. Jan 2018, 10:47

Hallo René,

mumpel hat geschrieben:M.E. würdest Du als Freiberufler gelten.

Hm. So einfach dürfte das ganze nicht sein. Das hängt von seiner genauen Ausbildung und Tätigkeit ab. Es muss sich um eine „freie, wissenschaftliche, künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit höherer Art oder eine Dienstleistung höherer Art, die eine höhere Bildung erfordert“ handeln.
Siehe z. B.: https://www.ihk-muenchen.de/ihk/documents/Recht-Steuern/Gewerberecht/Merkblatt-Gewerberecht_052016-2.pdf
Gruß
Michael
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon mumpel » 12. Jan 2018, 11:05

Im Internet ist zu lesen dass keine spezielle Ausbildung erforderlich ist. Es genügt auch ein Selbststudium, sofern das Schulungsangebot keine fachliche Qualifikation erfordert. Und für einen "Office-Ausbilder" benötigt man keine Qualifikation. Das kann jeder machen der Lust dazu hat. Das Ergebnis der Ausbildung lassen wir mal außen vor. :wink:
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon Der Steuerfuzzi » 12. Jan 2018, 12:18

Das ist mir zu einfach (zumal Du keine Links gepostet hast, wo Du das gelesen hast). Die zentrale Frage wird hier sein, ob es sich um einen freien Beruf handelt (die anderen Voraussetzungen eines Gewerbebetriebs i.S.d. § 14 GewO lassen wir mal weg). Ich bin zwar kein Anwalt und kann auch nur das sagen, was ich bei meiner (laienhaften) Recherche so gefunden habe und diese hat folgendes ergeben:

In § 6 GewO ist zu lesen:
"(1) Dieses Gesetz findet keine Anwendung auf die Fischerei, die Errichtung und Verlegung von Apotheken, die Erziehung von Kindern gegen Entgelt, das Unterrichtswesen, auf die Tätigkeit der Rechtsanwälte, Patentanwälte und Notare, der nach § 16 des Rechtsdienstleistungsgesetzes im Rechtsdienstleistungsregister eingetragenen Personen, der Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, der vereidigten Buchprüfer und Buchprüfungsgesellschaften, der Steuerberater und Steuerberatungsgesellschaften sowie der Steuerbevollmächtigten, auf den Gewerbebetrieb der Auswandererberater, das Seelotswesen und die Tätigkeit der Prostituierten. ..."

Bei den in § 6 GewO explizit genannten Ausnahmen könnte mE allenfalls "das Unterrichtswesen" zutreffen. Hierzu sagt das BVerwG: "Der Begriff "Unterrichtswesen" im Sinne des § 6 GewO umfaßt Unterrichtsveranstaltungen aller Art, soweit sie landesgesetzlich geregelt sind." (BVerwG, 01.07.1987 - BVerwG 1 C 25.85). Man müsste nun prüfen, ob die vorliegende unterrichtende Tätigkeit landesrechtlichen Regelungen unterliegt. Ich weiß es nicht, könnte mir aber vorstellen, dass die Wahrscheinlichkeit hierfür eher gering sein wird.

Damit bleibt noch die Einordnung in den Freien Beruf anhand der Begriffsdefinition. Hierzu das Oberverwaltungsgericht Lüneburg (Az. 7-LC-15/10 Urteil vom 16.05.2012):
"Danach haben die Freien Berufe "im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt"."
"Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts [...] stellt für die gewerberechtliche Beurteilung einer Betätigung als freiberuflich wesentlich darauf ab, ob es sich um eine wissenschaftliche, künstlerische oder schriftstellerische Tätigkeit höherer Art oder eine Dienstleistung höherer Art handelt, die eine höhere Bildung, d.h. grundsätzlich ein abgeschlossenes Hochschul- oder Fachhochschulstudium, erfordert."
"Auch wenn der Kläger persönlich den Hochschulgrad "Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH)" erworben hat, kommt es auf seine individuelle formale Qualifikation nicht an. Entscheidend in dieser Hinsicht ist vielmehr, ob eine Tätigkeit als solche den Besuch einer Hochschule, Fachhochschule oder Akademie auch objektiv voraussetzt [...]. Dabei muss der Berufsträger nicht nur im Einzelfall, sondern grundsätzlich zur Erledigung der von ihm übernommenen Aufträge einer höheren Bildung bedürfen."

Nun müsste die Einordnung der Tätigkeit nach diesen Grundsätzen erfolgen. Auch hier kann ich es natürlich nicht rechtlich beurteilen, habe aber meine Zweifel, dass die Tätigkeit ein höhere Qualifikation in diesem Sinne erfordert.

Dementsprechend sollte er sich an jemanden wenden, der sich damit besser auskennt (Rechtsanwalt/Gemeinde/etc.).

EDIT: Natürlich haben sie Aussagen keine Gewähr auf Richtigkeit. Ich bin kein Anwalt und kann auch nicht einschätzen, ob die von mir gefundenen Stellen noch rechtlich gültig sind. Daher ist es sinnvoll sich hier Rat bei jemdanden einzuholen, der sich damit auskennt!
Gruß
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon thomas4180 » 12. Jan 2018, 13:04

Hallo und erstmal danke für die ganzen Antworten und Ratschläge.

Einige Links hatte ich selbst schon ergooglet, aber das Beamtendeutsch ermüdet mich schnell. :wink:
Ich dachte, dass vielleicht jemand von euch selbst auch Schulungen anbietet und somit Erfahrung damit hat. Dann werde ich mich mal an unsere Gemeinde wenden, denn einen Steuerberater habe ich (noch) nicht. :D

Danke und Gruß Thomas
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon maninweb » 12. Jan 2018, 14:49

Hallo,

von mir auch eine Anmerkung zu den Freiberuflen. Neben den anerkannten Freiberuflern, ist das z.B. schon bei der Softwareentwicklung so eine Sache.
Finanzämter haben da zwar einigen Spielraum, dennoch sind einige Voraussetzungen einzuhalten. Beispielsweise musste ich damals einen Nachweis
des "wissenschaftlichen Arbeitens" erbringen, ein Pamphlet mit ca. 25 Seiten, was das Finanzamt anerkannt hatte und ich nun Freiberufler bin.
Ist jetzt schon was her, ob sich da was geändert hat, kann ich nicht sagen.

Gruß
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon < Peter > » 12. Jan 2018, 16:36

Hallo,

dann gebe ich auch noch meinen Senf dazu.

Unter der Voraussetzung, dass diese Seminartätigkeit nur in geringem Umfang (quasi 'nebenberuflich') durchgeführt wird, dann würde meine Gedankengang so aussehen:

Steuerlich spielt es vermutlich keine große Rolle ob das Finanzamt das jetzt als freiberuflich oder gewerblich einstuft.

Der Gewerbebetrieb unterliegt zwar der Gewerbesteuer aber da gibt es einen Freibetrag in Höhe von m.W. 24.500 Euro (genauen Betrag bitte googlen) und damit müsste ich mir bei einer 'nebenberuflichen' Tätigkeit keine großen Gedanken um eine Gewerbesteuerbelastung machen.

Bei der IHK bin ich dann zwar Zwangsmitglied aber viele IHKs erheben bei geringen Gewinnen (der Betrag ist i.d.R. auf der Webseite der zuständigen IHK ersichtlich) gar keine oder nur sehr niedrige Gebühren.

Noch ein weiterer Gedanke: In vielen Arbeitsverträgen dürfte ein Passus stehen, dass der Arbeitgeber über eine Nebentätigkeit informiert werden, oder diese sogar genehmigen muss.
Gruß
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon Der Steuerfuzzi » 12. Jan 2018, 16:58

Hallo Peter,

< Peter > hat geschrieben:Steuerlich spielt es vermutlich keine große Rolle ob das Finanzamt das jetzt als freiberuflich oder gewerblich einstuft.

Das sehe ich auch so, denn nicht nur der Freibetrag bei der Gewerbesteuer, sondern auch die Anrechnung der Gewerbesteuer fängt das Problem idR vollständig (oder bei Hebesätzen über 380% zumindest zum Teil ab). Also selbst wenn die 24.500 Euro (Dein Betrag war korrekt) überschritten sind, ist es oft kein sehr großes Problem.

Das Problem dabei ist, dass die Kriterien für die steuerliche Einordnung nicht immer deckungsgleich sind mit den Kriterien für die gewerberechtliche Einordnung. Das wird sehr gerne "durcheinandergeworfen".

Allerdings würde ich mir Gedanken über die Gewerbeanmeldung machen, denn wenn man diese pflichtwidrig unterlässt, kann das eine Ordnungswidrigkeit sein, die Bußgeldbewährt sein kann.

< Peter > hat geschrieben:Noch ein weiterer Gedanke: In vielen Arbeitsverträgen dürfte ein Passus stehen, dass der Arbeitgeber über eine Nebentätigkeit informiert werden, oder diese sogar genehmigen muss.
Diesen Hinweis finde ich sehr gut. Da denken viele nicht dran (wäre mir jetzt ad hoc auch nicht eingefallen).
Gruß
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon silex1 » 17. Jan 2018, 12:47

Moin,

die Gemeinde oder den Steuerberater zu fragen bringt nichts und es wären die falschesten die man fragt.
Wer eigenständig Schulungen anbietet, ist freiberuflich im Sinne des §18 des EStG. Er zählt zu den Katalogberufen.
Die genaue Klärung übernimmt das Finanzamt und ist im vorliegendem Falle eindeutig (Dozent=Lehrer).

Den Zweitjob beim Arbeitgeber anzumelden ist ebenso nicht (unbedingt) notwendig, es sei denn der Hauptjob leidet darunter (nicht fit sein am Morgen oder so) oder es steht in Konkurrenz zum den Arbeitgeber. Verbieten kann er die Freiberuflichkeit nur bei Konkurrenz und untersagen nur wenn der Hauptjob darunter leidet.

Als Freiberufler bist Du auch nicht Mitglied bei der IHK.

Allerdings...und dies wird ggf. zum Hauptproblem, bist Du als Dozent/Lehrer rentenversicherungspflichtig (Gewinn >450,-€ mtl). Und dies kann dann ziemliche Auswirkungen haben. Und wenn Du dann noch auf die Idee kommst, eigene Programme zu schreiben, dann bist Du plötzlich mit der Künstlersozialkasse verbandelt (je nach Programmcode/Gestaltung)...und wenn Du dann die Buchführung nicht perfekt getrennt hast zwischen den Tätigkeiten, dann unterliegt alles der RV-Pflicht.

Aber lass Dich nicht entmutigen.
Du wärest freiberuflich und bei korrekter Buchführung wäre nur die RV-Pflicht ggf. etwas hinderlich. Aber dies kannst Du, ja muss Du, in den Abrechnungen/Honoraren mit einkalkulieren.
LG, René und seine 3 Gehirnzellen
Es ist gut, dass wir nicht in die Zukunft blicken können! Wir hätten sonst keine!
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon mumpel » 17. Jan 2018, 13:09

Der Steuerfuzzi hat geschrieben:[...] dass der Arbeitgeber über eine Nebentätigkeit informiert werden, oder diese sogar genehmigen muss [...].

Das gilt nur für Beamte. Bei normalen Arbeitnehmern kann der AG die Nebentätigkeit nicht verbieten solange sie dem Hauptberuf nicht zuwiderlaufen. Und man muss den AG auch nicht immer informieren.
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon mumpel » 17. Jan 2018, 13:12

silex1 hat geschrieben:[...] Verbieten kann er die Freiberuflichkeit nur bei Konkurrenz [...]

Aber auch nicht immer. Ein Busfahrer z.B. darf auch für die Konkurrenz fahren, z.B. Wochenendausflüge oder andere Kursstrecken. Auch ein Programmierer könnte in seiner Freizeit programmieren, solange er dem AG nicht die Kunden wegschnappt. Dass ein AG Nebentätigkeit immer verbieten darf sobald er Konkurrenz wittert ist m.E. falsch.
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Re: Office-Schulungen als Gewerbe oder wie?

Beitragvon Der Steuerfuzzi » 17. Jan 2018, 14:24

silex1 hat geschrieben:die Gemeinde oder den Steuerberater zu fragen bringt nichts und es wären die falschesten die man fragt.

Das musst Du mir jetzt genauer erklären. Wen soll man denn dann als (zumindest ersten) Anlaufpunkt nehmen? Das Finanzamt? Dich?
Du zitierst hier den § 18 EStG (=EinkommensteuerGesetz). Wieso sollte der Steuerberater nicht der richtige Ansprechpartner sein. Das Einkommensteuergesetz und die Frage der Abgrenzung zwischen Gewerbe und selbständiger Tätigkeit fällt in das Kerngebiet eines "normalen" Steuerberaters (ist also kein Sondergebiet mit dem sich nur wenige beschäftigen). Das Finanzamt hat schon oft genug eine falsche Einordnung akzeptiert bzw. vorgenommen, die nicht korrekt war/ist. Das kann nachträglich ganz schnell nach hinten los gehen, wenn einige Jahre später das Gegenteil bewiesen wird (z. B. durch eine Betriebsprüfung oder letztendlich ein Gericht). Da kann es schnell zu hohen Zinsen für nachveranlagte Gewerbesteuern kommen.

silex1 hat geschrieben:Wer eigenständig Schulungen anbietet, ist freiberuflich im Sinne des §18 des EStG. Er zählt zu den Katalogberufen.
Die genaue Klärung übernimmt das Finanzamt und ist im vorliegendem Falle eindeutig (Dozent=Lehrer).

Dass eine unterrichtende Tätigkeit steuerlich nicht als freiberufliche Tätigkeit einzuordnen ist habe ich nie behauptet. Es geht im Wesentlichen darum, dass die steuerliche Einordnung der Einkünfte als solche aus selbständiger Tätigkeit nicht deckungsgleich ist mit der Einordnung der Tätigkeit nach Gewerberecht (GewO). Die Gesetze nennen hier unterschiedliche Voraussetzungen und gerade bei den unterrichtenden Tätigkeiten gibt es hier eben Abweichungen. Das habe ich aber schon geschrieben.

silex1 hat geschrieben:Den Zweitjob beim Arbeitgeber anzumelden ist ebenso nicht (unbedingt) notwendig, es sei denn der Hauptjob leidet darunter

Da gebe ich dir grundsätzlich recht. Wenn allerdings im Arbeitsvertrag steht, dass ein Nebenjob genehmigt werden muss, kann man das mW nicht so einfach ignorieren. Ich bin kein Anwalt und weiß nicht wirklich, was die konkrete Konsequenz wäre.

silex1 hat geschrieben:Allerdings...und dies wird ggf. zum Hauptproblem, bist Du als Dozent/Lehrer rentenversicherungspflichtig (Gewinn >450,-€ mtl).
Ja, u.A. bei Lehrern gilt eine Rentenversicherungspflicht auch, wenn sie selbständig Tätig sind (§ 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VI). Grundsätzlich tritt die Versicherungspflicht ein, wenn der Gewinn höher als 5.400 Euro/Jahr oder 450 Euro/Monat ist. Ergänzend noch: Wenn derjenige aber Angestellte mit Gehältern von insgesamt über 450 Euro hat, entfällt diese Versicherungspflicht.

Das gleiche Problem haben übrigens grundsätzlich für alle (anderen) Selbständigen (die nicht in § 2 Satz 1 SGB VI genannt sind), wenn diese im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig werden (§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI). Im letzteren Fall kann man aber einen Antrag auf Befreiung für 3 Jahre stellen (§ 6 Abs. 1a SGB VI).

Das ganze gilt auch, wenn man die Selbständigkeit als Nebengewerbe betreibt.
Gruß
Michael
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