Briefpost noch täglich nötig?

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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon lupo1 » 28. Dez 2017, 11:18

theoS hat geschrieben:Leider siehst du offenbar deine Zusteller auch recht wenig, nicht nur deinen Hausbriefkasten.
Sonst wüsstest du, dass auf dem Land schon lange kein Zusteller mehr alleine mit Briefen unterwegs ist.
Das würde sich für die Deutsche Post schon lange nicht mehr lohnen.
Argument akzeptiert. Aber Einschränkung: Auf dem Land sind sie doch auch (eher) mit dem Auto unterwegs. Ob das Auto nun voll ist oder nicht: Eine Ersparnis ist es schon, nicht überall zu besuchen. Ich habe als Schüler und Student auch beliefert. Zeitintensiv sind vor allem die Besuche beim Kunden (vor allem vergeblich, wenn er nicht da ist), nicht so sehr die Größe und das Gewicht der Sendungen. Und da ist es doch evtl. ein Qualitätsgewinn, wenn der Kunde an den 3 Tagen im Schnitt öfter da ist, als an 6.
theoS hat geschrieben:Die 200 Pakete, die der Mensch zusätzlich mitnimmt täglich? Ach ja, die willst du schon haben. Oder auch nur alle 3 Tage? Gut.
Und die Ersparnis von 60% der Briefträger? Wo hast du die Zahl denn her?
Glaubst du wirklich, dass du Leute findest, die für den relativ niedrigen Lohn dann auch noch bloß Teilzeit arbeiten wollen? 3-Tage-Woche? Was dein Argument angeht, dass die Empfänger entspannt sein könnten weil sie an diesen Tagen keine Post erwarten müssen? Wie krank ist das denn? Zum einen gibt es Leute, deren Einsamkeitsfaktor so hoch ist, dass sie den täglichen Gang zum Briefkasten um die Reklame rauszuholen schon als Abwechslung und Kommunikation ansehen. (und das ist traurigerweise Realität!)
Da wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Ich denke nicht an Löhne, Arbeitszufriedenheit und soziale Kontakte dabei. Die beiden ersten Punkte regelt der Markt. Und der dritte Punkt ist keine Aufgabe des Unternehmens Post. Tun wir doch mal ein paar Minuten so, als wäre die Post ein Unternehmen ohne gesetzliche Verpflichtungen. Andere dürfen doch auch ihre Betriebsabläufe optimieren. - Die 60% sind in den Raum geworfen. Auch 20% ist eine Ersparnis.
theoS hat geschrieben:Was dein "Argument" des durch die tägliche Zustellung erhöhte Porto angeht: Auch hier bitte erst mal recherchieren. Wir haben in D so ziemlich das günstigste Porto für Briefe und Pakete EU-weit.
Das ist kein Argument. Wenn uns 5% Krebsheilung in D ausreichen täten, WEIL es in Afrika nur 1% sind (fiktives Beispiel), wären wir doch nicht gut beraten. Bitte nicht relative Möglichkeiten mit absoluten Zusammenhängen vermischen.
theoS hat geschrieben:Und, die Argumente zur Steigerung des Briefportos lauten immer: Es werden immer weniger Briefe verschickt, drum kann die Deutsche Post, die ja ein Unternehmen ist das ordentliche Gewinne machen will (und auch tut, aber nicht durch den Bereich Brief) in diesem Bereich auch nicht mehr kostendeckend arbeiten.
Strukturwandel. Darauf muss reagiert werden können. Es gibt zwar keine erfolgreiche E-Post, dafür aber mehr und mehr das elektronische Bürgerzentrum oder Unternehmenswebseiten, KV-Meldungen, StErkl., BG-Meldungen, GEZ-Antworten, Zählermeldungen ...
theoS hat geschrieben:Klar wollen die Manager dieser Firma die Zustellung am besten so abwickeln wie in manchen Gegenden Afrikas: Jeder soll sich seinen Kram selbst abholen. (Und am besten dafür noch bezahlen, wie fürs Postfach)
Wir leben nicht in einer Planwirtschaft, und auch große Unternehmen haben das grundsätzliche Recht, Dinge zu ändern. Die Ausnahme hier, dass die Post teils hoheitliche Aufgaben hat, bestätigt die Regel. Gleichzeitig hat sie Konkurrenten, die alles dürfen!
theoS hat geschrieben:und für die zahle ich die 3 Briefe die ich im Jahr verschicke gerne 20% Porto von 70 Cent dazu! Zum Anderen ist das doch, wie du schreibst ja scheinbar sowieso so dermaßen egal, wann man seine Post bekommt, oder hattest du schon mal Probleme weil du nur 1 mal in der Woche in deinen Briefkasten schaust?
Da verstehe ich jetzt nicht, was Du kritisierst.
theoS hat geschrieben:
Geht es uns (Verbrauchern) nicht viel besser mit den fast freigegebenen Ladensöffnungszeiten, die zwar für die Beschäftigten doof sind, weil sie jetzt Schichtarbeit machen, aber langfristig doch zu einer optimalen Ressourcenallokation führen?
Gings uns früher schlecht? Es ist bequemer. Man kann bis 10 schlafen und dann spät Abends mit den anderen 10 Hanseln durch den Supermarkt schlendern. Nein. Nichts gewonnen. Kein Fortschritt. Nur mehr Energie verschleudert.
Hättest Du mich oben richtig gelesen ...
theoS hat geschrieben:Wie in deinem Argument, dass ja jeder seine Post selbst abholen kann. Statt dass einer mit dem Fahrrad kommt (oder einer mit einem Auto), fahren dann Tausende zum Postfach und holen die Briefe/Pakete. Dafür, welch ein prosaisches Argument, ja bloß alles 3 Tage. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Die genaue Art der Einsparung der Abläufe (so es welche gibt) bestimme doch nicht ich. Ich wollte mich nur offen für überhaupt welche zeigen.
mumpel hat geschrieben:Und als Gewerkschafter bin ich natürlich gegen Arbeitsplatzabbau und Arbeitsplatzverschiebung.
Dazu hatte ich doch oben schon geschrieben. Du kannst gern gegen alles Mögliche sein. Aber unser Land war damit erfolgreich, dass Konsens bestand. Wenn die Gewerkschafter das Land dominieren, haben wir bald Totalitarismus. Wenn Unternehmen volle Freiheit haben, haben wir Umweltkollaps.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon mumpel » 28. Dez 2017, 12:21

Das hat mit dominieren nichts zu tun. Wenn Du Arbeitsplätze bei der Post zu Gunsten längerer Postlaufzeiten oder zu Gunsten der digitalen Post abbaust bezahlen wir mit unseren Steuergeltern die vom Arbeitsplatzabbau betroffenen Menschen (in Form von Arbeitslosengelt. Nicht jeder findet wieder einen Arbeitsplatz).
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon lupo1 » 28. Dez 2017, 14:05

Das darf niemals ein Hinderungsgrund sein, mumpel.

Die Menschen müssen sich den Strukturen anpassen - und haben dies immer schon getan. Alles andere führt ins Hintertreffen. Die Frage ist nur: Was ist eine Struktur? Es geht hier nicht um Mut oder Bewertung, und auch nicht um größer oder stärker, sondern um schneller und intelligenter.

Außerdem zahlen die Übergangs-Arbeitslosen sich selbst mit ALG I. Steuern für ALG II fallen nur für die Unvermittelbaren an. Dazu gehören Briefträger nicht. Denn die Logistik brummt.

Wir haben Arbeitskräftemangel im Moment; in BaWü und Bay sogar Vollbeschäftigung (Vollbeschäftigung wird als "4% ALo oder weniger" definiert).

Unternehmenspleiten sind die in Anspruch genommenen Leitplanken des Strukturwandels. "In Anspruch genommen" bedeutet: Von selbst wurde es nicht rechtzeitig erkannt. Irgendwann dann halt die Leitplanke.

Was wurde wieder von den Roten rumgejammert wegen Air Berlin! Die sind doch alle schon längst vom Arbeitsmarkt aufgesogen worden. Die Leitplanke von Air Berlin kam leider 15 Jahre (ausnahmslos Verluste oder schwarze Null) nicht zum Einsatz! Ach, wäre sie doch! Das Drama ist nicht die Insolvenz. Das Drama ist die seinerzeitige Geburt! (Umdeutung von Brecht)

Weißt Du denn nicht, warum die SPD nur noch 20% hat? Weil jeder erkannt hat, dass Gewerkschaften keine Arbeitsplätze bewahren, sondern den Wandel höchstens behindern. Im Positiven melden sie evtl. noch vereinzelte Missstände in Arbeitsverhältnissen. Oder sie schaffen es, politische Bewegungen gegen Diktaturen zu organisieren. Außerdem waren Gewerkschaften noch nie Anwälte der Armen oder Arbeitslosen, sondern immer nur die der Beitragszahler.

Sozial ist nur, was Arbeit schafft - nicht das, was Arbeitsplätze erhält. Letzteres ist immer kurzfristig. Dass wir uns dabei der Globalisierung nicht entziehen werden können, ist eine Sache, bei der wir national nichts ausrichten können. Kommt am Ende der schärferen Umstände Krieg hinzu (Verdrängungskampf auf dem begrenzten Gebiet Erde, der so langsam beginnen wird), so ist auch das eine von uns nicht aufzuhaltende Tatsache.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon mumpel » 28. Dez 2017, 16:23

Und ich bleibe dabei. Die Post muss täglich kommen. Alles andere funktioniert in DE nicht.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon theoS » 28. Dez 2017, 18:44

Ich habe als Schüler und Student auch beliefert. Zeitintensiv sind vor allem die Besuche beim Kunden (vor allem vergeblich, wenn er nicht da ist)

Ja, das kenne ich. Das Gerede.
Mann, vor 20 Jahren haben wir noch in der Telefonzelle telefoniert!?
Hat sich mittlerweile doch einiges geändert.
Der Zusteller den du vielleicht siehst, und ein leeres Auto hat und es ist noch nicht 17:00 Uhr, fährt zurück um Nachschlag zu holen.
:lol:
Appel kriegt seine 9 Mio nicht umsonst. (ob er sie verdient ist eine andere Frage)
Tun wir doch mal ein paar Minuten so, als wäre die Post ein Unternehmen ohne gesetzliche Verpflichtungen. Andere dürfen doch auch ihre Betriebsabläufe optimieren.

Die gesetzlichen Verpflichtungen sind kein Hindernis, Betriebsabläufe zu optimieren.
Das wird täglich gemacht. Und nicht gerade Mitarbeiterfreundlich. Was man auch langsam aber sicher merkt an der Qualität der Mitarbeiter die neu dazukommen. (mein Deutsch nix gut besonders...)

Du hast aber irgendwie auch falsche Vorstellungen vom realen Postbetrieb, denn du kennst ja offenbar nur deinen eigenen Bedarf.
Der Brief mag mehr oder weniger tot sein, aber es ist vollkommen egal, ob der Zusteller die paar Blätter auch noch mitnimmt.
Er muss ja sowieso dorthin. Ein Paket abgeben. (und das sind die Sendungen, die einen aufhalten, denn Briefe in den Kasten werfen? Das machen die manchmal ohne zu halten. :wink: )

Firmen wie Amazon bieten eine Zustellung am nächsten Tag an. Von Paketen. Und was klein genug ist, soll natürlich auch am nächsten Tag da sein, halt als Brief.
Da ist es doch schon erstaunlich, dass du dir als Kunde drüber Gedanken machst, wie du das bisschen Service, das die die Post in dem Fall bietet kastriert bekommst?
(Amazons eigene Zustellung schmeißt die Pakete grundsätzlich vor die Haustür, wenn auch oft genug vor die vom Nachbarn. Wir tauschen rege unsere Pakete untereinander aus )

und :
Da verstehe ich jetzt nicht, was Du kritisierst.

Ich verstehe absolut nicht, was du an der Zustellung zu kritisieren hast.
All deine Argumente die bringst, klingen als würdest du tatsächlich was davon haben. Als würdest du beteiligt sein an der Firma.
Als Kunde kann dir doch Service nur recht sein?
theo s.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon lupo1 » 30. Dez 2017, 15:43

Wir halten resümierend fest:

Alle (ohne meine Ausnahme) sind für tägliche Brief-Post.

Dieses "Alle" ist zu gewichtig, um eine zufallsbedingte größere Abweichung vom Willen der Gesamtheit zu vermuten. Die einzige mögliche Abweichungsmöglichkeit besteht wie immer darin, dass die eine Seite das Thema für viel wichtiger hält, als die andere, die sich dazu nicht meldet, weil es ihr völlig egal ist. Letztere Meinung kann 1%, 50% oder auch 99% ausmachen. Ich vermute, dass es 65% sind.

Post ist wichtig für Arbeitsplatzerhalt. Strukturwandel ist schlecht.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon mumpel » 30. Dez 2017, 15:48

Strukturwandel ist diesbezüglich nicht schlecht. Er ist jedoch schlicht nicht möglich. Die bürokratischen Hürden sind zu hoch um wichtige Angelegenheiten/Post elektronisch zu erledigen, oder einen Tag länger liegen zu lassen.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon Vorzimmerdrache2 » 31. Jan 2018, 13:47

[quote="lupo1"]https://www.n-tv.de/wirtschaft/Post-beendet-Zustellungstest-article20189910.html

Wie seht Ihr das? Wenn das Porto dadurch um 20% sinken könnte?

wo von träumst du nachts?

Sorry, aber DAS wird sicher nicht passieren.

Wenn man die Post in der Presse so hört und liest, dann kann mit dem derzeitigen Porto der Aufwand nicht gedeckt werden.

Die derzeitigen Probleme resultieren aus fehlenden Mitrbeitern und hohen Krankenständen (die, die da sind, sind überlastet). Aber kein Wunder, wenn Neue für 6 - 7 h reine Zustellung bei Wind und Wetter, entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad, gerade mal den Mindestlohn erhalten. Die Zustellgebiete können irgendwann nicht mehr größer werden, weil die Strecke während eines normalen Arbeitstages nicht mehr bewältigt werden kann. Früher waren das mal zwischen 10 und 16 km/Tag bei rund 4 - 5 h reiner Zustellarbeit und 3 - 4 Stunden Vor- und Nachbearbeitung. Aber da die Vorarbeiten zwischenzeitlich durch die Verteilmaschinen erledigt werden, kann ein Zusteller ja mindestens 2h mehr unterwegs sein und ein größeres Gebiet bearbeiten. Warum hat die Post in fast allen Stadtgebieten auf Fahradzustellung umgestellt? Weil die Strecken zu Fuß nicht mehr machbar sind.

Da ist es kein Wunder, wenn sich viele nach einer alternativen Arbeit umschaut, bei der wenigstens mehr Lohn rum kommt.

Und dann hat die DP noch Hoheitliche Aufgaben war zu nehmen. Derzeit muss an allen Werktagen und in jeder Gegend (von der Großstadt bis zu entlegenen Höfen) zugestellt werden. Theoretisch. Nur, wenn keiner da ist, kann keiner etwas Zustellen.

Postfach ist auch nicht für jeden eine Lösung. Wer schlecht zu Fuß ist, kommt nicht so einfach zu einer Postfachanlage.

Fakt ist: Seit die Post eine AG ist, sind im Hintergrund Investoren, die eine möglichst hohe Dividende erwarten, haben sich die Zustellgebiete deutlich vergrößert, teilweise verdoppelt, Gehalt für neue blieb auf dem Mindeststandart.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon lupo1 » 02. Feb 2018, 17:47

Immer das gleiche Klagen über den Wandel. Den gibt es auch anderswo, als nur bei der Post.

Aber so, wie der Gastronom besonders der Mafia ausgeliefert zu sein scheint, steht die Post wohl besonders im Fokus der Effizienzkritiker.

Von mir aus kann das Porto auch so bleiben (also nicht sinken), wenn es nicht kostendeckend ist. Dann wäre eine 2-tägige Zustellung doch gerade erst gerechtfertigt, damit es kostendeckend wird!

Wenn aber das Porto nicht deckend sein soll, erlaubt sich die Frage, in welchen Geschäftsfeldern die Gewinne gemacht werden.

Wir haben den Mindestlohn. Jetzt geht es an die Pflege, weil dort Mangel herrscht, und es um Leben und Tod geht. Und irgendwann geht es an die Briefträger. Wobei es sich eigentlich dort von selbst regeln müsste.

In den USA haben sich jetzt Buffet, Amazon und Morgan Stanley zusammengetan, um die KV ihrer Mitarbeiter selbst zu organisieren ("non profit": ok, das glaube ich auch nicht). Denn die Versicherungen in ihren Palästen mit den unkündbaren Mitarbeitern sind das Paradebeispiel für ein lebenslanges sahneabschöpfendes Versorgungsdenken partikulärer Schichten ohne Risiko. VW ist auch so ein Palast der Mitbestimmung. Wohin führt es? Zu Klagen der Börsenplätze, denn eine Goldene Aktie Niedersachsens verträgt sich nicht mit den Rechten der Anteilseigner.

In Deutschland wird die Digitalisierung 3 Mio Arbeitsplätze in den nächsten 5 Jahren abbauen, so eine Tickermeldung heute um 9:43. Vor allem Banken und Versicherungen. Die Deutsche Bank füttert jetzt Roboter, die exakte Anlageentscheidungen aufgrund der Kunden-Vorgaben treffen. Vorteil für die Bank: Es kann kein Mitarbeiter mehr einen klageträchtigen Fehler machen. Außerdem fällt der Mitarbeiter weg. Das sind bei Banken gut 80.000 Euro im Jahr, weil zu den AN- und AG-Kosten noch die Kosten des Arbeitsplatzes kommen.

Das alles ist Strukturwandel. Die Globalisierung hat vorgelegt, im Paralleltakt mit der Digitalisierung. Die Welt ändert sich gerade schneller, als jemals zuvor in der Menschheit (außer evtl. zu den Zeiten der Pest). Mittlerweile bin ich schon fast der Meinung: Trump schafft es gegen alle Voraussagen, "America wieder First" zu machen. Denn auch die Chinesen kämpfen seit Jahren mit unlauteren Handelswaffen. Und die gesamte erste Welt beutet den Rest sowieso ja immer schon aus. Da braucht er die Skrupel gar nicht zu haben, die man bei ihm vermisst. Irgendwann erschöpfen sich die Nachrichtensender auch mit den Russlandvorwürfen.

http://www.wiwo.de/unternehmen/dienstle ... 8-all.html
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon juvee » 02. Feb 2018, 18:14

und bei uns werden gerade die Bedingungen zusammengefriemelt für ein Deutschland "in dem wir gut und gerne leben" :( :? :oops: :evil: wollen/müssen/dürfen/nicht verhindern können auf weitere 3 Jahre und x Monate mit Mutti, es sei denn, irgendeiner in der CDU macht endlich mal den Rücken gerade.

Stillstand ist Rückschritt.

Gibt es eigentlich eine Raute als Icon?

VG Juvee
Ich habe "juvee" am 25.01.2018 gegoogelt. Ich distanziere mich von den ungefähr 252 Einträgen ausdrücklich.
Da binich nich dabei, dat is pri ima, vivaaaaa....lalalala!
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon lupo1 » 03. Feb 2018, 14:26

Da kann man nun geteilter Meinung sein. Fast gebe ich Dir recht:

Kohl führte zu Stillstand. Allerdings ruhte er sich in den letzten 8 Jahren auch auf der Dt. Einheit aus.

Es war der - wie Schmidt - in seiner Partei ungeliebte und bei vielen anderen nicht gemochte Schröder, der Deutschland neu positionierte. Merkel kann sich im Grunde seit Beginn ihrer Kanzlerschaft darin sonnen. Die drastischen Änderungen Schröders hätten unter einer CDU-Regierung zu einem Volksaufstand geführt. Nur die SPD konnte so etwas beschließen, weil man ihr abnimmt, dass es nicht anders geht. Die Konservativen als Partei der Bosse hätten ein Geschmäckle gehabt.

Erst 12 Jahre später schafft es Frankreich mit Macron, Zöpfe abzuschneiden - schwieriger dort, da der Franzose revolutionärer ist, als der brave dt. Michel. Damit Deutschland wirtschaftsführend bleibt, wird die nächste Regierung handeln müssen. Doch zwei Dinge werden nie mehr so sein wie früher:

- Die SPD wird wohl nicht mehr Regierungsführerin, da sie aufgrund wegbrechender Klientel nicht mehr Volkspartei sein wird. Sie ist momentan 5% vor dem Wahlergebnis der AfD. Das harte Durchgreifen bei den Flüchtlingen durch die Union nützt vor allem auch der SPD, da sonst AfD und SPD in einem Jahr jeweils 16% hätten. Die Normalisierung/Trumpisierung der AfD hat schon begonnen. Drei Ausschüsse! Insofern stimmt nun wirklich das Volk mit ab, wie weit Regierungen oder Parteien in ihren Aussagen oder Nichtaussagen gehen müssen/dürfen (mit Nichtaussagen meine ich das häufig alternativlose Nein von Rot-Rot-Grün). Denn jeder sieht: NPD, DVU, Republikaner (als schwache "West-Rechte") waren Randerscheinungen. Die AfD (als Gesamt-D-Rechte) aber hat mit fast 1/7 die kritische Masse überschritten, die bei Missachtung ihrer Grundforderungen weiter anschwellen wird. Ich versuche hier nur, im Sinne der politischen Ökonomie zu urteilen. Ich bin kein AfD-, sondern CDU-FDP-Anhänger (obwohl ich zumindest die meisten Personen der SPD oder Grünen eher mag). Das einfache Volk ist nun mal politisch unkorrekt! Schon von daher ist der Begriff unkorrekt daneben. Man müsste dies neu formulieren, und zwar wertfrei, da "unkorrekt" wertend ist. Der Deutsche, der nicht gern revoluzzt, hat seine stille Einflussnahme erst jetzt erkannt. Das sind langsame Prozesse.

- Die EU und die Globalisierung lassen sämtliche Vergleiche mit früher sowieso nicht mehr zu. Wir haben die Bonner Republik verlassen. Und zwar durch die Ostdeutschen, die - auch wenn nicht bewusst - schon die zweite stille Revolution nach 1989 anführen (Pegida - AfD).

Eine Freundin sagte mal: Nordamerika wäre heute möglicherweise deutschsprachig, wenn Deutschland vor 300 oder 250 Jahren schon eins gewesen wäre. Es fehlte wohl nicht viel, aber man hielt sich damals weltpolitisch zurück. Ich: Hui. Gewagte These. Aber machtpolitisch hatte sie wohl recht. F und GB waren Imperien, D immer zerrissen.

Die Dt. Post baut sich gerade relativ erfolgreich zu einem Global Player auf. Wir sollten das nicht torpedieren, denn es gibt davon nicht so viele aus unserem Land. Nur über Konzernführungen im eigenen Land hat man nämlich genügend Qualitätsarbeitsplätze hier, also neben den Blue-Collars auch alle Hierarchien darüber. Und nur damit kann man bestehen, in Zeiten von Apple, Amazon, Google, Microsoft, Samsung und den chinesischen Konzernen ohne Gesichter. Oder wollen wir eines Tages nur noch dagegen protestieren dürfen, dass der Amazoner seinen Arbeitsplatz auch für die Toilette nicht mehr verlassen darf bzw. dann einen Negativeintrag bekommt, wenn es aufgrund der 5 Minuten Laufweg bis zum WC nicht in der Hose landet? Denn seine Vorgesetzten sind nicht hier. Amazon ist unser eigenes Bangladesh. Persönlich finde ich es geil (nutze es aber sparsam)! Klick und am nächsten Tag da. Diese Schizophrenie kennt sicher jeder.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon Maxi71 » 28. Mär 2018, 21:11

Das Traurige ist, dass ich nicht daran glauben würde, dass die Portokosten in diesem Fall sinken würden. Warum denn? Hast du schon mal WIRKLICH bei irgendeiner Dienstleistung feststellen können, dass es günstiger geworden ist? Ich nicht.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon theoS » 28. Mär 2018, 21:26

Nordamerika wäre heute möglicherweise deutschsprachig,

Zum Glück nicht :-)
Nur über Konzernführungen im eigenen Land hat man nämlich genügend Qualitätsarbeitsplätze hier, also neben den Blue-Collars auch alle Hierarchien darüber.

Abgesehen davon, werden die Preise sicher auch nicht günstiger, wenn das Geld das hier verdient wird in weltweiten Projekten verbraten wird.
Da ist schon etliches in den USA verbrannt worden und es ist zu hoffen, dass Dr. A. es in Asien besser macht als Dr. Z.

Die Zustellung von Sendungen verbleibt hier.
Der Overhead der das führt ist, wie in so vielen anderen Sparten auch, zu groß. Da könnte man zum Sparen anfangen. Denn viele Häuptlingen machen keinen Stamm, da brauchts auch Indianer.

Und: vielleicht kommt auch mal jemand drauf, dass nicht nur das produzieren in China billiger ist, sondern auch deren Führungskräfte. :P
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon lupo1 » 29. Mär 2018, 09:08

theoS hat geschrieben:Der Overhead, der das führt, ist, wie in so vielen anderen Sparten auch, zu groß. Da könnte man zu sparen anfangen. Denn viele Häuptlinge machen keinen Stamm; da braucht's auch Indianer.

Solange es keinen ausreichenden Wettbewerb (allgemein: Überlebensangst) gibt, wird auch nicht gespart.

Die Post hat heute Wettbewerb. Vielleicht nicht vollständig nach der reinen Lehre, aber doch ganz überwiegend - oder zumindest aus eigener Sicht. Und daher optimiert sie. Wenn Ihr Euch an einer Preissenkung festklammert (die mir völlig schnurz ist): Für wie viel Porto wäre wohl die Post von vor 30 Jahren heute unterwegs?

Ich glaube mittlerweile, Ihr hättet gern noch die Beamten der Bundespost. ;) Rettet das graue Tierchen Schaltermaus vor dem Schalter-Aus! Biosphärenreservat für selektive Gruppen!

Und antworten tut Ihr alle wie die Linken: Keine Lösung für die Globalisierung, aber (Hauptsache) erst mal ein Nein (als Lieblingswort) in die Röhre schieben. Privat werdet Ihr jedoch davon abweichen und erst schauen, ob Ihr Geld habt, was Ihr erst dann im Geschäft verteilt.
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Re: Briefpost noch täglich nötig?

Beitragvon hddiesel » 29. Mär 2018, 09:45

Hallo Lupo,

Und antworten tut Ihr alle wie die Linken:

Und du, wie ein Arbeitgeber, bei dem ein Arbeiter keinen Namen, sondern nur noch eine Betriebs- Nummer hat.

Sobald die angestrebte Gewinnsteigerung nicht mehr erreicht wird, das Kapital verstecken, um Spenden bitten und die Firma schließen.

Früher fühlte sich ein Arbeitgeber noch verantwotlich für seine Mitarbeiter, bildete Rücklagen in guten Zeiten, um schlechte Zeiten zu überbrücken.
Heute wird in guten Zeiten gehortet und in schlechten Zeiten geschlossen, da hättest du vermutlich deinen angestrebten Traumjob.

Vermutlich ist die Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV), nur eine unnötige Altlast für dich, welche dem Reichtum und Fortschritt im Wege steht.
Zuletzt geändert von hddiesel am 29. Mär 2018, 09:56, insgesamt 1-mal geändert.
Mit freundlichen Grüssen
Karl


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